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Vorwort Professor Domdey

Wissenschaftlicher Leiter von BAYGENE
 

Vor mehr als 20 Jahren, im Jahre 1983, wurde von dem weltweit anerkannten Molekularbiologen und Nobelpreisträger Renato Dulbecco in der Zeitschrift Science zum ersten Mal der Gedanke geäußert, das Erbgut des Menschen in seiner Gesamtheit zu entschlüsseln. „Nichts anderes als eine verrückte Idee“, dachten zum damaligen Zeitpunkt die meisten Humangenetiker und Molekularbiologen - und natürlich nicht nur diese. Es bedurfte schon einiger Monate heftiger und intensiver Diskussionen, damit sich dieser Vorschlag wenigstens bei einigen Mitgliedern der Scientific Community durchsetzen konnte.

Im Jahre 1987 fand dann im amerikanischen Cold Spring Harbor auf Long Island die erste Genomkonferenz statt, bei der unter anderem auch die „Human Genome Organization“, abgekürzt HUGO, ins Leben gerufen wurde. Im Jahr 1990 fiel dann der offizielle Startschuss für dieses Mammutprojekt, dessen Größe alle bisher durchgeführten Projekte in der Biologie weit in den Schatten stellte.

Viel schneller als ursprünglich gedacht und geplant, konnte man dieses Projekt zu einem erfolgreichen Ende bringen. Bereits im Jahr 2000, als 5 Jahre früher als ursprünglich veranschlagt worden war, wurde Vollzug gemeldet und der staunenden Welt verkündet, dass das Erbgut des Menschen mehr oder weniger vollständig analysiert worden sei. Dennoch ist die erfolgreiche Strukturaufklärung nicht mehr als der erste und vergleichsweise vielleicht sogar kleinste Schritt in diesem Gesamtprojekt, wenn wir wirklich von einer Entschlüsselung des menschlichen Genoms sprechen wollen. Denn die Hauptaufgabe wartet noch auf uns und wird mit Sicherheit ein Vielfaches der Zeit und Kosten in Anspruch nehmen: es handelt sich dabei um die Aufklärung der Funktion der Gene, der Funktion der DNA-Sequenzen, in die sie eingebettet sind und der Proteine, für die sie kodieren.

Sehr schnell wurde darüber hinaus auch deutlich, welch hohes Wirtschaftspotential in diesem Forschungszweig steckt. Die funktionelle Genomforschung und die daraus gewonnen Erkenntnisse werden also mit Sicherheit nicht nur gesundheitspolitische sondern auch marktwirtschaftliche Konsequenzen haben.
Das Bayerische Genomforschungsnetzwerk, in dem Spitzenprojekte der funktionalen Genomforschung in Bayern gefördert und vernetzt werden, hat sich die Aufgabe gestellt, neue Benchmarks für die Forschungslandschaft Bayern zu setzen. In den zehn geförderten und weiteren assoziierten Projekten aus Wissenschaft und Industrie, soll ein Netz aus Informationsfluss und Zusammenarbeit geknüpft werden, das eine effiziente Forschung und einen schnellen Technologietransfer gewährleistet. In systembiologischen Ansätzen steht die Aufklärung komplexer Zusammenhänge durch die Analyse der daran beteiligten Gene und der daraus resultierenden Proteine im Mittelpunkt. Es sollen neue Therapiestrategien gegen Krebs, Stoffwechselerkrankungen oder Herpesvirusinfektionen konzipiert werden.
Die Weiterentwicklung wichtiger neuer Technologien nimmt dabei eine ebenso zentrale Rolle ein, wie die Aufklärung von komplexen Zusammenhängen mit bereits etablierten Analysemethoden. Ein teamübergreifender Erfahrungsaustausch beschleunigt die Bearbeitung der Fragestellungen.

Bayern nimmt bereits jetzt in der Europäischen Forschungslandschaft eine Spitzenstellung ein.
 Die Zusammenarbeit herausragender Wissenschaftler wie sie im Bayerischen Genomforschungsnetzwerk geplant ist, wird uns dabei helfen, diesen Platz in der internationalen Wissenschaftsszene zu halten und weiter auszubauen.